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Über mich ...

...gibt es auch einiges zu erzählen, wenn es nicht so schwierig wäre, über sich selbst zu schreiben. Denn das merkt man erst, wenn man vor dieser Aufgabe steht. Am besten ist es, wenn ich mit der Beantwortung einer oft gestellten Frage anfange:



Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?


Das fing eigentlich indirekt schon lange vor der "Wende" an. Die damalige Betriebsleitung war der Meinung, daß ich zu meinem Beruf als Kfz-Schlosser und meiner Tätigkeit als Einkäufer noch den Abschluß als 'Berufskraftfahrer' machen müßte. Ich hatte nichts dagegen und hatte nach 1½ Jahren meinen Abschluß, inklusive dem Personenbeförderungsschein. Diesen 'Schein' habe ich nicht verfallen lassen und alle zwei Jahre die Prüfung Klasse 'D' (Personenbeförderungs-Schein) wiederholt.


Dann kam das - wie wir ja heute wissen - was kommen mußte, der November 1989. Wir lernten sehr gute Freunde in Northeim kennen. Noch während der Umstrukturierung in dem Betrieb, wo ich noch arbeitete, hatte ich für eben diese Freunde als 'Danke' für die herzliche Aufnahme, vier Karten für die Dresdener Semperoper besorgt. Nach der Vorstellung fragten sie mich, wie ich denn das hinbekommen hätte, zu dieser Zeit, wo andere 8 - 10 Jahre auf solche Karten gewartet haben ?: Einfach nur mit den richtigen Leuten telefoniert!

Aus heutiger Sicht wird man sagen: "Kein Problem, wieviel Karten sollen es sein?" Für mich war es aber damals sozusagen das Schlüsselereignis in Richtung "Reisen".


Monate später stand fest, ein 'Einkäufer' wurde nicht mehr gebraucht! Ich mußte mich neu orientieren und warf alles, was ich konnte, in einen 'Topf', kürzte alle "Höhenflüge " und "Möchte gerne's" weg und es blieb der Reisebus übrig. Zudem machte gleich um die Ecke ein Busunternehmen fest, bei dem ich mir dann meine 'Sporen' verdient habe. Da ging es auch gleich mit vier 10tägigen Reisen nacheinander an die Costa Brava(Spanien) los. Bei einem solchen Sprung ins kalte Wasser blieb es nicht aus, daß man auch reichlich 'Lehrgeld' zahlt. Bis zu meiner letzten Reise im August 2007, hatte ich mich einigermaßen freigeschwommen und so viel Gefallen und Spaß an diesem Beruf gefunden, daß ich nichts anderes mehr machen wollte. Leider kam es anders!

Im Laufe der Jahre habe ich viel bei den Kollegen abgeguckt, wie die was machen, aber ich bin schnell dahinter gekommen, daß es besser ist, seinen eigenen Stil zu finden. Ich habe also gelernt, mich selbst zu analysieren um herauszubekommen, was den Fahrgästen gefällt und was ich lieber sein lassen sollte. Da haben sich schon feste Größen in meinen Mehrtagesfahrten etabliert. Da wäre z.B. die allmorgendliche "Geschichte". Meist ist es etwas lustiges, aber auch nachdenkliches gibt es da zu hören und das noch vor Abfahrt. Meine Fahrgäste selbst haben das mal als "Das Wort zum Tage" definiert.


Dieses "Wort zum Tage" ist eines der Rituale die gut angekommen sind. Zumindest identifizierte man mich schon damit: "Ach, sie sind doch der mit der lustigen Geschichte zu Beginn einer Fahrt."

Um vor einer Reise einen ersten Kontakt mit den Fahrgästen herstellen zu können, hat es sich auch eingebürgert, gleich nach dem einchecken noch einmal durch den Bus zu gehen, um zu sehen ob fürs erste alles in Ordnung ist. Aber nicht mit leeren Händen! In einem nett drapierten Körbchen konnte sich jeder einen Sahnebonbon nehmen oder zwei, je nach dem wie süß er war; der Fahrgast! Wichtig dabei ist, daß darauf hingewiesen wird, sich diesen Bonbon über die 8-tägige Reise hinweg gut einzuteilen. Da wechselten selbst die letzten skeptischen Blicke in ein lächeln.

Diese kleine Investition aus der eigenen Küchenkasse hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Dadurch waren erste Brücken gebaut und das erste Eis gebrochen. Da stört es auch nicht, wenn man darauf hinweist, daß die Bonbons vom Busfahrer kommen und nicht von der Firma. So loyal ist kein Chef, denn das kostet ja Geld!

Apropos Geld! Nicht ein Reisebusfahrer, der etwas auf sich hält und seinen Job behalten will, wird einem Fahrgast erzählen, wieviel Geld er bekommt. Ich spreche absichtlich nicht vom "Verdienen". Die meisten meiner Kollegen arbeiten für einen Stundenlohn, der unterhalb des derzeit diskutierten Mindestlohnes liegt. Wobei als Stundenlohn nur die Zeit zählt in der er am Steuer sitzt und fährt! Den ganzen anderen Service drum herum, wie zum Beispiel die Probleme bei falsch gebuchten Hotels oder das Organisieren eines Reiseleiters, wenn es mal vergessen wurde, gehört nicht dazu. Auch die Beseitigung von Problemen der Fahrgäste jeglicher Art, wird uns nicht bezahlt. Dazu gehört auch die Pflege des Reisebusses und auch kleinere Unterwegsreparaturen. In dem Moment, in dem der Bus stillsteht, hört bei den meisten Busunternehmen die Lohnzahlung auf.

Die letzte erlebte "Einsparungsmarotte" war die Pauschalstundenabrechnung an den Tagen am Zielort. Danach wurden nur 8 Stunden bezahlt, obwohl man auf den Ausflügen meist länger unterwegs war. Leider hat dieses Sparpaket bei besagter Firma auch nicht vor der Insolvenz geschützt.

Wenn jetzt aber die meisten sagen, daß ihr Reisebusfahrer praktisch rund um die Uhr für sie da war und jeden Wunsch von den Lippen abgelesen und sich um alles gekümmert hat, dann ist es dem Enthusiasmus des Kollegen zu zollen, der seinen Beruf bei dem Verdienst trotzdem noch gerne macht und all sein Herzblut hineinsteckt.

Woran das liegt, weis ich nicht, auch wenn es mir selbst so ging. Am kreativsten sind wir Reisebusfahrer nicht, weil uns unser Chef unter Druck setzt, sondern weil man nette Fahrgäste hat, die auch mit dazu beitragen, daß im Bus ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Und Ihr könnt es mir glauben: "... dann klappts auch mit dem Reisebusfahrer!"

Keinen Spaß machen Reisen mit einzelnen Fahrgästen, die nur aufpassen, daß der Fahrer einen Fehler macht. Oder es paßt etwas nicht an der Reiseorganisation, woraufhin sie ja vom Reisepreis etwas zurück bekommen könnten. Dafür gehen manche sogar vor Gericht, bzw. denonzieren einfach beim Chef den Busfahrer, nur auf ihren Vorteil bedacht und ungeachtet der Tatsache, daß der Busfahrer daraufhin unschuldig den Job verlieren kann! Und genau diese Gäste haben sich noch überschwänglich für die schöne Reise bedankt und frech ins Gesicht gelächelt! Das sind die Tatsachen, denn wir bekommen ja die Rückmeldungen zu spüren! Übrigens erfahren wir auch, wem wir das zu verdanken haben.

Einem solchen Fahrgast hat das Amtsgericht Rostock einmal die Grenzen seiner sogenannten "Rechte" aufgezeigt. Er stolperte zwischen Transferbus und Fähre über eine deutlich gelb gekennzeichnete Schwelle und klagte vor Gericht. Das Gericht nannte es "Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos". Auf gut deutsch: Er solle gefälligst hingucken, wo er hinläuft! (Az.: 47 C 225/10 ) Denn das kann überall passieren und hat nichts mit der Reise zu tun. Wer solche Fahrgäste hat, der brauch keine Feinde!

Zum Glück ist das sehr selten. Durch meine Fahrgäste fühlte ich mich jedenfalls dazu animiert, mir immer mal wieder Neues auszudenken, auch mal Eingeständnisse zu machen oder mal an Sehenswürdigkeiten kurz anzuhalten, wenn sie auf dem Weg lagen und solange die Zeit für das eigentliche Programm ausreichte. Ich bin mir sicher alle meine Kollegen haben für nette Fahrgäste, ein oder mehr "Bonbons" im Ärmel! Das wird einigen "Geschäftsführern oder Inhabern" vielleicht nicht gefallen, aber man kann ein Busunternehmen eben so wenig ausschließlich nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten führen, wie eine Ehe nur nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch! Da gehört mehr dazu. Das muß aber jeder für sich herausfinden. Ich kenne einige Firmen, die genau aus diesem Grunde den "Bach runter" gegangen sind.

Jeder Reisebusfahrer wird im Laufe seiner Tätigkeit zu der Erkenntnis kommen, daß es nichts Schlimmeres gibt, als gelangweilte Fahrgäste. Sie wollen unterhalten werden, besonders bei An- und Abreise zum Reiseziel. Das machen wir natürlich gern, auch wenn der Gesetzgeber etwas dagegen hat. Die Informationen über den Bus und das Reiseprogramm sind bekanntermaßen schnell erzählt. Und dann? Dann kommen unsere Kenntnisse über die Sehenswürdigkeiten der Strecke ins Spiel. Aber alles können wir natürlich auch nicht wissen.

Da würde es sich anbieten Ferienzielvideos zu zeigen oder Musik zu hören. Aber Achtung: Wer da die Rechte an dem Gezeigten nicht besitzt, verstößt gegen das Urheberrecht. Der Reisebus zählt rechtlich als "Öffentlich"! Ihr könnt das gern hier nachlesen.

Unsere Fahrgäste sind wissbegierig. Das merkt man an den Rückfragen nach eigenen Erklärungen oder nach denen eines Reiseleiters. Busreisen werden in zunehmenden Maße wie Bildungsreisen behandelt. So schnell wie möglich Land und Leute kennenlernen, das ist das Ziel. Wenn man dann die entsprechenden Dokumentationen oder Reportagen über das Reiseziel oder den Hin- und Rückweg zeigt, kommt dieser angenehme Wiedererkennungseffekt auf. Letztendlich ist ja "der Weg auch ein Ziel"! Das bringt "Punkte" für den Reisebusfahrer und das ist ja auch etwas Wert.







(Wie geht es weiter? Wird es weiter gehen? Wird es eine Fortsetzung geben? Schaut wieder mal rein, demnächst auf dieser Homepage, denn das Beste kommt erst noch!)



Befreundete oder empfehlenswerte Link's



©2005-2017 Frank Jeschke / Infoseite für Reisebusfahrer

Erstellt am:
  28.05.2005
Letzte Aktualisierung:
  31.08.2017 16:16:49